Tarifvertrag banken schweiz

Eine Besonderheit des Schweizer Systems ist, dass die jährlichen Lohnverhandlungen zu einigen wichtigen Tarifverträgen, nämlich der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie sowie der chemischen und pharmazeutischen Industrie, dezentral auf Unternehmensebene stattfinden. Verhandlungspartner sind die Personalvertreter und die Arbeitgeber der einzelnen Unternehmen. Gewerkschaftsvertreter werden nur im Konfliktfall hinzugezogen. Bis 2013 waren in diesen Tarifverträgen daher keine Lohnsätze enthalten. Tarifverträge können von der Bundesregierung (oder im Falle von Regionalverträgen von kantonalen Regierungen) auf Antrag der Verhandlungspartner für allgemeinverbindlich erklärt werden und gelten dann automatisch für alle Unternehmen der Branche. Insbesondere die Tarifverträge im Baugewerbe sowie im Gewerbe gewerbe, einschließlich Hotel- und Gaststättengewerbe, sind allgemein verbindlich. Dies ist in der Industrie nicht weit verbreitet. Der rechtliche Rahmen für das kollektive Arbeitsrecht findet sich im schweizerischen “Obligationenrecht”, Art. 356 bis 362. Inhaltlich enthalten die Tarifverträge neben den eigentlichen Arbeitsbedingungen wie Löhne, Arbeitszeit usw. auch Punkte wie zusätzliche Pensionskassenregelungen, Vorruhestand, Konfliktlösungsverfahren, gemeinsame Sozialfonds, Finanzierung von Aus- und Weiterbildung, gemeinsame Durchführungs- und Kontrollgremien, Beteiligungsrechte, finanzielle Beteiligung, Verfahren im Zusammenhang mit Massenentlassungen und Übernahmen usw. Gegenstand der jährlichen Lohnverhandlungen ist die Erhöhung der individuellen Reallöhne und gegebenenfalls die Erhöhung der in der Vereinbarung vorgesehenen Löhne, die in der Regel als Mindestlöhne definiert werden. In der Praxis gibt es eine breite Palette von Optionen zur Erhöhung der Reallöhne, die auch kombiniert werden können: dazu gehören eine allgemeine, prozentuale oder betragsbezogene Erhöhung für alle Arbeitnehmer; eine differenzierte Erhöhung nach Lohnskalen; und eine Erhöhung der Lohnsumme, die dann individuell im Unternehmen verteilt wird.

Aber dieses Modell wird wahrscheinlich bald Geschichte sein. Im größten Industriesektor, der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie, gibt es seit 75 Jahren einen Tarifvertrag, der seit seinem ersten Abschluss und trotz zahlreicher Revisionen und Verbesserungen nie Standard- oder Mindestlohnsätze enthält. Seit vielen Jahren fordern die Gewerkschaften, dass die Lohnbestimmungen in diese Vereinbarungen aufgenommen werden. 2013 gelang ein historischer Durchbruch. Die Parteien einigten sich auf Mindestlöhne, die je nach Qualifikation und Regionen variieren. In der Schweiz gibt es keinen nationalen gesetzlichen Mindestlohn. Der Abschluss des bilateralen Personenverkehrsabkommens zwischen der EU und der Schweiz ermöglichte es den Behörden jedoch, verbindliche, branchenweite Mindestlöhne einzuführen, bei denen Lohndumping eindeutig in Branchen ohne allgemein verbindlichen Tarifvertrag stattfand. Das vorherrschende Verhandlungsniveau ist der Sektor oder die Branche. Neben den großen Branchenverträgen gibt es auch zahlreiche Tarifverträge mit einzelnen Unternehmen. Tarifverträge können vom Bund (oder, im Falle von Regionalverträgen, von kantonalen Regierungen) für allgemeinverbindlich erklärt werden. Die Bedeutung allgemein verbindlicher Vereinbarungen hat in den letzten Jahren erheblich zugenommen.

Dies ist ein wesentlicher Grund für den höheren Anteil der Arbeitnehmer, die unter Tarifverträge fallen.1 In einigen Branchen wird die traditionelle Trennung von Arbeitnehmern und Arbeitnehmern beibehalten, und es gibt getrennte Tarifverhandlungen für diese Gruppen von Arbeitnehmern.